Es war einer dieser Momente im Leben den man so schnell nicht vergessen kann. Es war einfach so surreal. Ich fühlte mich schwer. Von überall hörte ich dumpfe Schreie und Gebrüll. Blutverschmierte Menschen torkelten und fielen um einen herum, spuckten Blut und schrien nach Fleisch. Ich fühlte mich wie unter einer bizarren Käseglocke. Mir lief das Blut aus den Mundwinkeln. Das anfangs weiße Shirt war rot und klebte ekelhaft an meinem Körper. Überall nur Blutverschmierte Gestalten.
Ich war wie in Trance, komplett in meiner Zombie-Rolle. Mit meinem Kaputten Schirm in der einen und meinem „Free Zombie Hugs“ Schild in der anderen Hand rannte ich auf zwei kleine asiatische Mädels zu die unbedingt ein Bild mit mir machen wollten und da sah ich sie. Sie stand etwas verloren in der Menge von blutroten Zombies. Sie stach mit ihrem türkisen Oberteil aus der Menge heraus. Ich weiß nicht wie lang dieser Moment gedauert hat, aber er kam mir sehr lange vor… fast so als würde die Welt in diesem Moment still stehen. Sie sah mich mit einem „Dieser Typ hat sie nichtmehr alle“-Blick an und drehte sich angewidert weg als ich den Rest Kunstblut aus meinen Mundwinkeln laufen lies.
Ich wankte in Zombie-Manier zu ihr und begrüßte sie. Ich weiß auch nicht warum aber ich empfand ihr angeekeltes „Hallo Max“ richtig süß. Sie war für mich keine Fremde, denn obwohl wir uns in real erst einmal kurz gesehen haben telefonierten wir bereits unzählige male vorher.
Wir verabschiedeten uns vom Zombiewalk und ich ging mich erst mal „frisch“ machen. In der Dusche kam ich mir vor wie in Psycho. Ich schaute auf den Ausguss und literweise Blut liefen in den Ausguss hinunter.
Nachdem ich das ganze Blut und die Schminke unten hatte ging es weiter nach Frankfurt feiern und ich hatte einen der schönsten Abende seit langem. Wir saßen draußen auf ein paar Bänken und betrachteten das wilde Treiben der Nacht. Betrunkene taumelten, fast so elegant wie ich am Mittag, an uns vorbei. Der Krankenwagen kam mit Blaulicht an und holte einen verletzten jungen Mann ab. Aufgetakelte Frauen stolzierten in Stöckelschuhen über den Kopfsteingepflasterten Boden. Alles Anblicke über die man sich hervorragend auslassen konnte. Wir tranken einige Cocktails, aßen Pizza und plapperten über Gott und die Welt.
Später am Abend machten wir uns auf den Heimweg. Während wir noch auf unsere Fahrgelegenheit warteten hielt ich sie in den armen und streichelte ihre Schultern da ihr kühl war. Und selbst in diesem Moment des nahenden Unterkühlungstodes sah sie süß aus.
Der Abend verging leider wie im Fluge. Einfach zu schnell. Wir hätten noch so viel machen, über so viel reden wollen aber die Zeit und die Müdigkeit war leider gegen uns.
Am nächsten Morgen klingelte der Wecker um 11Uhr. Ich weiß nicht wie lange wir geschlafen hatten, aber es war meines Erachtens zu lang. Ich hätte die Zeit lieber genutzt um irgendwas mit ihr zu machen anstelle wie ein toter neben ihr zu liegen. Ich brachte sie zur Tür, drückte sie noch einmal und wünschte ihr einen schönen Sonntag. Leicht verpennt und mit ihrem süßen grinsen ging sie die Treppen runter… und weg war sie.
Selbst jetzt noch bekomme ich dieses leichte Grinsen wenn ich an diesen Abend denke, der leider viel zu schnell vorbei ging…
Zitat:
Man sagt, wenn man die Liebe seines Lebens trifft bleibt die Zeit stehen - und das stimmt. Aber was niemand sagt ist, dass sie danach viel schneller vergeht - um die verlorene Zeit wieder aufzuholen – Big Fish