18.06.2005 Eurospeedway Lausitz
Brooklyn – NYC. Eigentlich ist meine Arbeit bei den Onkelz erledigt und eigentlich war am Donnerstag mein letzter BOM Arbeitstag. Die Onkelz hören auf - ich höre auf. Wozu noch weitermachen und ein Gespenst verwalten? Allerdings muss ich zugeben, dass ich das Gefühl hatte, ich kann nicht ohne den letzten Eintrag gehen. Das schulde ich der Band und vor allen Dingen Euch. Sonst wäre das „Ding“ irgendwie nicht vollständig und nicht abgeschlossen gewesen. Die Onkelz haben ihre Arbeit erledigt, ich will es auch tun. Warum es so lange gedauert hat, ist eine andere Geschichte, die hier nicht her gehört. Nur so viel: Ich bin am Sonntag Abend vom Lausitzring zurückgekommen, hatte einen turbulenten Montag im Büro und bin Dienstag morgen um 06:00 Richtung Afghanistan aufgebrochen, wo ich für einen kleinen 5 Tage-Aufenthalt gebucht war. Erlebnisurlaub in Kabul. Wenn mal wieder einer von Euch glauben sollte, jammern zu müssen, weil er irgendein scheiß Problem hat – Mailserver abgeraucht, Handy-Akku leer, Zahnpasta alle, Stock im Arsch – dann kann er gerne mal nach Kabul fahren und sich anschauen, was dort los ist, wo 4 Millionen Menschen unterhalb des Existenzminimums in einer zerbombten Stadt ohne Wasser wohnen. Glaub´ mir, DU HAST KEIN PROBLEM!!
Im Camp Warehouse, dort wo die 3000 Mann starke Friedenstruppe aus 25 Nationen stationiert ist, habe ich auch Onkelzfans getroffen. Als wir alle zusammen am Lausitzring gefeiert haben, haben diese Jungs dort humanitäre Hilfe geleistet und bei 49C° im Schatten geschuftet, obwohl sie Karten für den Lausitzring hatten. Der Chef hatte ihnen keinen Urlaub genehmigt, so dass sie sich mit ihrer eigenen „Onkelzabschiedsparty“ behelfen mussten. Locker 500 Soldaten haben dort zeitgleich mit uns am Freitag gefeiert und zwischendurch 6 unterschriebene Onkelzautogrammkarten versteigert, die ich ihnen zwei Wochen vorher zugeschickt hatte. Möchte jemand raten, wie viel Geld für diese 6 Autogrammkarten zusammengekommen ist? Ich sag´s Euch. 1990,-€ für 6 Karten, die dann dem Kinderheim in Kabul gespendet wurden. Respekt und ein Dankeschön an Stefan Raue für diese wundervolle Geste!!
Und da erreicht mich hier in New York heute morgen eine e-mail mit einem Link zu Spiegel-online, dass die Onkelz angezeigt wurden, weil sie auf dem Lausitzring „verbotene Lieder“ gespielt hätten und dass sie ja schon seit Jahren im Verdacht stünden, „rechte Songs“ vorzutragen. Natürlich geht es um den „netten Mann“, den die Band am Ende des ersten Sets, also als Zu-Zugabe am ersten Tag gespielt hat. Ich wiederhole noch einmal, was mir gerade durch den Kopf geht: In Kabul/Afghanistan spenden ein paar deutsche Soldaten 1990,-€ von ihrem lausigen Sold, den sie dort für Schwerstarbeit unter gnadenlosen Bedingungen verdienen, einem Kinderheim. Auf dem Lausitzring verkaufen Forumsmitglieder ihren Fans-helfen-Sampler „Rocken für Peru“, hergestellt auf eigene Kosten, nur um die gesamten Einnahmen an die „Chandler Sky Foundation“ dem Heim für Strassenkinder in Cusco Peru, weiterzuleiten. Die Onkelz selbst überweisen seit Jahren monatlich sämtliche Einnahmen vom Perushirt (übrigens ein Dauerbrenner) an Kia Ingenlath und singen am Lausitzring das von den debilen Mitgliedern der Bundesprüfstelle huh, huh, huh... „verbotene“ Lied gegen Kindermörder und bekommen dafür dann eine Anzeige? Und obendrein wird ihnen daraus noch ein Strick gedreht und die Tatsachen werden so dargestellt, als hätten sie „verbotene rechte Lieder“ gesungen? Wow, Begriffe wie Recherchefaulheit und journalistische Unzulänglichkeit müssen neu definiert werden!!
Habe ich schon einmal gesagt, wie froh ich bin, mit dieser Scheiße endlich nichts mehr zu tun haben zu müssen? Das Geschwür in meinem Magen nennt sich Journalist. Ich habe zwei/drei Presseartikel zum Abschiedskonzert gelesen, die alle schlecht waren und vor Recherchefehler nur so strotzten, so dass ich jetzt das Thema in aller Ruhe begraben kann. 8 Jahre Pressearbeit, die nix, aber auch gar nix gebracht haben, außer der Gewissheit, dass dort am Lausitzring (Tag 2) das größte und abgefahrenste Rock´n Roll Spektakel abgezogen wurde, was Deutschland jemals gesehen hat. Es hat noch nie etwas gegeben, was auch nur annähernd an dieses Ereignis herankam und es wird, da lege ich meinen linke Hoden in die offene Flamme, auch in den nächsten zwanzig Jahren nichts geben, was mit dem vergleichbar sein wird. Die Onkelz auf dem Lausitzring, Tag 2 wird in die nicht geschriebene Geschichte eingehen und somit zur Legende werden. Dass niemand von der Presse da war, weil niemand ein Ticket von uns bekommen hat, macht es für mich nur noch umso genialer. Da reimen sie sich ihren Dreck zusammen und können nach 25 Jahren Onkelz immer noch nicht Kevin von Stephan und Bass von Gitarre und links von rechts unterscheiden. Armes Deutschland. Zeit zu geh´n, wirklich. Jenseits der Kopfschüttelgrenze. Wir alle haben dort etwas erlebt, was nur uns gehört und nicht zer-schrieben werden kann. Keiner dieser oberschlauen Onkelzkritiker kann auch nur erahnen, was dort abging, kann noch nicht mal Worte finden, mit denen er es schlecht machen könnte, denn was auch immer er schreiben wird... ha, ha, ha, ha, ha, wir lachen!!
Der Gig selbst? Die Überraschungen in der Setlist waren für mich, „Entfache dieses Feuer“, wunderschön vorgetragen von einem nicht zu bremsenden Kevin, der hier seine Kräfte für den letzten Gig mobilisierte, „Leere Worte“ von der 98er VLT und natürlich eines meiner absoluten Lieblingslieder „Das Messer und die Wunde“, 1993 von Stephan für Trimmi´s Mörder geschrieben und noch nie live vorgetragen. Die Band, wie immer Vollgas, was bei der Atmosphäre ja wohl kein Wunder sein dürfte. Pe, gut gelaunt als Uhrwerk unterwegs, Stephan mit knalligen Ansagen und in bester Spiellaune, Kevin brachialisch und mit den längst legendären Kevin Russell Tanzschritten.
Wie auch immer. Geh´n Sie auseinander, es gibt hier nichts zu sehen. Man kann es wirklich kaum in Worte fassen, dieses Meer aus Armen und Händen, diese Euphorie und diese totale Hingabe von beiden Seiten. 200.000 Hände im Takt und 200.000 Arme die hin und hergehen und aus 100.000 Kehlen kommt ein Sturm an Begeisterung und Dankbarkeit. Das Echo, das teilweise über den Platz flog, holte sich selber ein und trug zu einer Stimmung bei, die eigentlich nur als eine Art Trance oder Rock´n Roll Glückseeligkeit oder irgendetwas schwer definierbares in dieser Richtung bezeichnet werden kann. „Massenpsychose“ unkt der eine, „Massenerweckung“ sage ich. Wäre ich Stephan, würde ich vielleicht in die Guru-Branche wechseln, eine Sekte gründen und mich anbeten lassen. Tatsache ist, dass es nicht einfach ist, mit dieser Masse an heranbrausender Energie umzugehen und ich könnte mir vorstellen, dass man viele Dinge, gerade als Künstler in diesem Fall gar nicht richtig mitbekommt, da man über die Dauer des Konzertes auf einer solch enorm hohen Adrenalinwelle dahinrauscht, dass das Gehirn fast platzt vor Dopamin- und Endorphinausschüttung. Es gab bei den nach hinten versetzten Leinwänden (3 große Leinwände links und 3 große Leinwände rechts im Publikum in hundert Metern Abstand nach hinten platziert) einige Delay-Schwierigkeiten, die auch am zweiten Tag nicht abzustellen waren, so dass Bild und Ton nicht ganz lippensynchron waren. Das Bild hinkte dem Ton um eine bis zwei volle Sekunden hinterher. Nicht wirklich schlimm, aber eben auch nicht perfekt. Verspielt hat man sich auch einige male, aber all das ist nicht wirklich wichtig und verblasst zu einem Nichts im Hinblick auf den Gesamteindruck, den dieses Konzert bei allen, die da waren, hinterlassen hat.
Man hat mir im Zuge meiner Berichterstattung schon mehrfach „chronisch positive Betrachtung“ vorgeworfen. Damit das nicht wieder vorkommt, werde ich jetzt aufzählen, was ich scheiße fand.
- Es waren einige asoziale Testosteronglatzen unterwegs, die einfach nur vollkommen mongoloid die Leute aus dem Weg gepogt haben, ohne auch nur einmal beim Tanzen Spaß zu haben. Aggressive, bis unter die Kopfhaut zugeschnuppte , aufgepumpte Michelinmännchen. Bitte einfach wegmachen, dieses Gesocks, das nervt.
- Unsere Merchandisemitarbeiterin Mina, marrokanisch/spanischer Abstammung, ist als „Kanakenschlampe“ beschimpft worden und hat sich eine Ohrfeige von einem „Onkelzfan“ eingefangen. Für mich das Allerletzte. Erschießen das Arschloch.
- Einige Security Mitarbeiter von Fremdfirmen entsprachen leider ebenfalls dem oben angesprochenen Klischee und bedienten dies auch noch nach Kräften. Hier hätte viel stärker gesiebt werden müssen, was aber sicherlich im Zuge dieser monströs großen Planung nicht möglich gewesen ist. Da es das letzte Konzert war, brauche ich nicht zu sagen, dass man das beim nächsten Mal besser machen müsste, aber auch das hat genervt.
- Die VIP-Tribüne war für mich nicht zu betreten, ohne dass alle zwei Meter jemand an mir herumgezupft hat, entweder um sich über irgend ein lächerliches Problemchen zu beschweren („die am Check-In Schalter wussten nicht in welchem Hotel ich wohne, das habt Ihr ja echt scheiße organisiert“) oder um mich zuzutexten: „Hier Eddy, llhalaönaaga geil bei Euch aöskdhfllnan nee, escht suppa, alhjlöjalöla“ und mir voll ins Ohr gespuckt dabei und mich fest gehalten, auf so was stehe ich gar nicht. In beiden Fällen war ich zu gestresst, um zuzuhören und habe fluchtartig das Weite gesucht.
- Der Graben war so tief, dass man nicht gut fotografieren konnte...
Das war´s dann aber auch schon. Mehr habe ich nicht zu meckern. Ich will nicht auf die einzelnen Ansagen von Stephan eingehen, auch weil ich die meisten vergessen habe. Stephan hat ja selbst einen kleinen Text für Euch in die News gestellt und seine Gefühle noch einmal in Worte gefasst. Besser kann ich es sowieso nicht sagen, weil jede Sicht auf dieses Ereignis subjektiv ist und ich glaube, dass die Betrachtung der Musiker viel wichtiger ist als meine eigene. Ich lasse das jetzt so stehen und wiederhole mich noch einmal, wenn ich sage, dass es das Größte war, was in diesem Land an Rock´n Roll jemals zu sehen war, fucking history, aber ohne Scheiß. Vielleicht kommt der Tag, an dem man all das noch einmal aufschreiben und Euch zugänglich machen muss, aber bis dahin wird noch eine Menge BOB Eure Fankehlen hinunter geflossen sein. Für den Moment bin ich so was von raus...
Gruss und Danke an die vielen Leute, die ich kennen lernen durfte. Ihr seid – ahja ziemlich geil auf alle Fälle...
Im Camp Warehouse, dort wo die 3000 Mann starke Friedenstruppe aus 25 Nationen stationiert ist, habe ich auch Onkelzfans getroffen. Als wir alle zusammen am Lausitzring gefeiert haben, haben diese Jungs dort humanitäre Hilfe geleistet und bei 49C° im Schatten geschuftet, obwohl sie Karten für den Lausitzring hatten. Der Chef hatte ihnen keinen Urlaub genehmigt, so dass sie sich mit ihrer eigenen „Onkelzabschiedsparty“ behelfen mussten. Locker 500 Soldaten haben dort zeitgleich mit uns am Freitag gefeiert und zwischendurch 6 unterschriebene Onkelzautogrammkarten versteigert, die ich ihnen zwei Wochen vorher zugeschickt hatte. Möchte jemand raten, wie viel Geld für diese 6 Autogrammkarten zusammengekommen ist? Ich sag´s Euch. 1990,-€ für 6 Karten, die dann dem Kinderheim in Kabul gespendet wurden. Respekt und ein Dankeschön an Stefan Raue für diese wundervolle Geste!!
Und da erreicht mich hier in New York heute morgen eine e-mail mit einem Link zu Spiegel-online, dass die Onkelz angezeigt wurden, weil sie auf dem Lausitzring „verbotene Lieder“ gespielt hätten und dass sie ja schon seit Jahren im Verdacht stünden, „rechte Songs“ vorzutragen. Natürlich geht es um den „netten Mann“, den die Band am Ende des ersten Sets, also als Zu-Zugabe am ersten Tag gespielt hat. Ich wiederhole noch einmal, was mir gerade durch den Kopf geht: In Kabul/Afghanistan spenden ein paar deutsche Soldaten 1990,-€ von ihrem lausigen Sold, den sie dort für Schwerstarbeit unter gnadenlosen Bedingungen verdienen, einem Kinderheim. Auf dem Lausitzring verkaufen Forumsmitglieder ihren Fans-helfen-Sampler „Rocken für Peru“, hergestellt auf eigene Kosten, nur um die gesamten Einnahmen an die „Chandler Sky Foundation“ dem Heim für Strassenkinder in Cusco Peru, weiterzuleiten. Die Onkelz selbst überweisen seit Jahren monatlich sämtliche Einnahmen vom Perushirt (übrigens ein Dauerbrenner) an Kia Ingenlath und singen am Lausitzring das von den debilen Mitgliedern der Bundesprüfstelle huh, huh, huh... „verbotene“ Lied gegen Kindermörder und bekommen dafür dann eine Anzeige? Und obendrein wird ihnen daraus noch ein Strick gedreht und die Tatsachen werden so dargestellt, als hätten sie „verbotene rechte Lieder“ gesungen? Wow, Begriffe wie Recherchefaulheit und journalistische Unzulänglichkeit müssen neu definiert werden!!
Habe ich schon einmal gesagt, wie froh ich bin, mit dieser Scheiße endlich nichts mehr zu tun haben zu müssen? Das Geschwür in meinem Magen nennt sich Journalist. Ich habe zwei/drei Presseartikel zum Abschiedskonzert gelesen, die alle schlecht waren und vor Recherchefehler nur so strotzten, so dass ich jetzt das Thema in aller Ruhe begraben kann. 8 Jahre Pressearbeit, die nix, aber auch gar nix gebracht haben, außer der Gewissheit, dass dort am Lausitzring (Tag 2) das größte und abgefahrenste Rock´n Roll Spektakel abgezogen wurde, was Deutschland jemals gesehen hat. Es hat noch nie etwas gegeben, was auch nur annähernd an dieses Ereignis herankam und es wird, da lege ich meinen linke Hoden in die offene Flamme, auch in den nächsten zwanzig Jahren nichts geben, was mit dem vergleichbar sein wird. Die Onkelz auf dem Lausitzring, Tag 2 wird in die nicht geschriebene Geschichte eingehen und somit zur Legende werden. Dass niemand von der Presse da war, weil niemand ein Ticket von uns bekommen hat, macht es für mich nur noch umso genialer. Da reimen sie sich ihren Dreck zusammen und können nach 25 Jahren Onkelz immer noch nicht Kevin von Stephan und Bass von Gitarre und links von rechts unterscheiden. Armes Deutschland. Zeit zu geh´n, wirklich. Jenseits der Kopfschüttelgrenze. Wir alle haben dort etwas erlebt, was nur uns gehört und nicht zer-schrieben werden kann. Keiner dieser oberschlauen Onkelzkritiker kann auch nur erahnen, was dort abging, kann noch nicht mal Worte finden, mit denen er es schlecht machen könnte, denn was auch immer er schreiben wird... ha, ha, ha, ha, ha, wir lachen!!
Der Gig selbst? Die Überraschungen in der Setlist waren für mich, „Entfache dieses Feuer“, wunderschön vorgetragen von einem nicht zu bremsenden Kevin, der hier seine Kräfte für den letzten Gig mobilisierte, „Leere Worte“ von der 98er VLT und natürlich eines meiner absoluten Lieblingslieder „Das Messer und die Wunde“, 1993 von Stephan für Trimmi´s Mörder geschrieben und noch nie live vorgetragen. Die Band, wie immer Vollgas, was bei der Atmosphäre ja wohl kein Wunder sein dürfte. Pe, gut gelaunt als Uhrwerk unterwegs, Stephan mit knalligen Ansagen und in bester Spiellaune, Kevin brachialisch und mit den längst legendären Kevin Russell Tanzschritten.
Wie auch immer. Geh´n Sie auseinander, es gibt hier nichts zu sehen. Man kann es wirklich kaum in Worte fassen, dieses Meer aus Armen und Händen, diese Euphorie und diese totale Hingabe von beiden Seiten. 200.000 Hände im Takt und 200.000 Arme die hin und hergehen und aus 100.000 Kehlen kommt ein Sturm an Begeisterung und Dankbarkeit. Das Echo, das teilweise über den Platz flog, holte sich selber ein und trug zu einer Stimmung bei, die eigentlich nur als eine Art Trance oder Rock´n Roll Glückseeligkeit oder irgendetwas schwer definierbares in dieser Richtung bezeichnet werden kann. „Massenpsychose“ unkt der eine, „Massenerweckung“ sage ich. Wäre ich Stephan, würde ich vielleicht in die Guru-Branche wechseln, eine Sekte gründen und mich anbeten lassen. Tatsache ist, dass es nicht einfach ist, mit dieser Masse an heranbrausender Energie umzugehen und ich könnte mir vorstellen, dass man viele Dinge, gerade als Künstler in diesem Fall gar nicht richtig mitbekommt, da man über die Dauer des Konzertes auf einer solch enorm hohen Adrenalinwelle dahinrauscht, dass das Gehirn fast platzt vor Dopamin- und Endorphinausschüttung. Es gab bei den nach hinten versetzten Leinwänden (3 große Leinwände links und 3 große Leinwände rechts im Publikum in hundert Metern Abstand nach hinten platziert) einige Delay-Schwierigkeiten, die auch am zweiten Tag nicht abzustellen waren, so dass Bild und Ton nicht ganz lippensynchron waren. Das Bild hinkte dem Ton um eine bis zwei volle Sekunden hinterher. Nicht wirklich schlimm, aber eben auch nicht perfekt. Verspielt hat man sich auch einige male, aber all das ist nicht wirklich wichtig und verblasst zu einem Nichts im Hinblick auf den Gesamteindruck, den dieses Konzert bei allen, die da waren, hinterlassen hat.
Man hat mir im Zuge meiner Berichterstattung schon mehrfach „chronisch positive Betrachtung“ vorgeworfen. Damit das nicht wieder vorkommt, werde ich jetzt aufzählen, was ich scheiße fand.
- Es waren einige asoziale Testosteronglatzen unterwegs, die einfach nur vollkommen mongoloid die Leute aus dem Weg gepogt haben, ohne auch nur einmal beim Tanzen Spaß zu haben. Aggressive, bis unter die Kopfhaut zugeschnuppte , aufgepumpte Michelinmännchen. Bitte einfach wegmachen, dieses Gesocks, das nervt.
- Unsere Merchandisemitarbeiterin Mina, marrokanisch/spanischer Abstammung, ist als „Kanakenschlampe“ beschimpft worden und hat sich eine Ohrfeige von einem „Onkelzfan“ eingefangen. Für mich das Allerletzte. Erschießen das Arschloch.
- Einige Security Mitarbeiter von Fremdfirmen entsprachen leider ebenfalls dem oben angesprochenen Klischee und bedienten dies auch noch nach Kräften. Hier hätte viel stärker gesiebt werden müssen, was aber sicherlich im Zuge dieser monströs großen Planung nicht möglich gewesen ist. Da es das letzte Konzert war, brauche ich nicht zu sagen, dass man das beim nächsten Mal besser machen müsste, aber auch das hat genervt.
- Die VIP-Tribüne war für mich nicht zu betreten, ohne dass alle zwei Meter jemand an mir herumgezupft hat, entweder um sich über irgend ein lächerliches Problemchen zu beschweren („die am Check-In Schalter wussten nicht in welchem Hotel ich wohne, das habt Ihr ja echt scheiße organisiert“) oder um mich zuzutexten: „Hier Eddy, llhalaönaaga geil bei Euch aöskdhfllnan nee, escht suppa, alhjlöjalöla“ und mir voll ins Ohr gespuckt dabei und mich fest gehalten, auf so was stehe ich gar nicht. In beiden Fällen war ich zu gestresst, um zuzuhören und habe fluchtartig das Weite gesucht.
- Der Graben war so tief, dass man nicht gut fotografieren konnte...
Das war´s dann aber auch schon. Mehr habe ich nicht zu meckern. Ich will nicht auf die einzelnen Ansagen von Stephan eingehen, auch weil ich die meisten vergessen habe. Stephan hat ja selbst einen kleinen Text für Euch in die News gestellt und seine Gefühle noch einmal in Worte gefasst. Besser kann ich es sowieso nicht sagen, weil jede Sicht auf dieses Ereignis subjektiv ist und ich glaube, dass die Betrachtung der Musiker viel wichtiger ist als meine eigene. Ich lasse das jetzt so stehen und wiederhole mich noch einmal, wenn ich sage, dass es das Größte war, was in diesem Land an Rock´n Roll jemals zu sehen war, fucking history, aber ohne Scheiß. Vielleicht kommt der Tag, an dem man all das noch einmal aufschreiben und Euch zugänglich machen muss, aber bis dahin wird noch eine Menge BOB Eure Fankehlen hinunter geflossen sein. Für den Moment bin ich so was von raus...
Gruss und Danke an die vielen Leute, die ich kennen lernen durfte. Ihr seid – ahja ziemlich geil auf alle Fälle...

